Selfmade mit Love? Nein danke! – oder: wieso nicht jeder deine Zeit wert ist

Die Feiertage sind (für manche endlich) vorbei, das neue Jahr hat begonnen – viele von uns Näh- und Bastelbegeisterten haben ihre Liebsten und Bekannte auch wie so oft selbstgemachte Geschenke beglückt.

Doch nicht jeder von uns kann sich mit selbstgemachten Geschenken so recht anfreunden – klar, man kann es nicht allen im Leben recht machen. Deshalb möchte ich in diesem Blogpost noch einmal alle meine Gedanken zu dem Thema zusammenfassen und zur Diskussion einladen. Denn die nächste Möglichkeit um (selbstgemachtes) zu schenken kommt bestimmt.

Wieso das Ganze?

Gut, für „Rantings“ oder dergleichen war ich bis jetzt nicht bekannt – aber nachdem ich mit meinem Instagram-Posting zu dem Thema viele Leute angesprochen habe und ein reger Austausch entstanden ist, haben mich viele Geschichten wirklich einige Zeit beschäftigt. Dabei habe ich mich versucht in beide Situation hineinzudenken, so wohl in den Schenker aus auch den Beschenkten. Drei Punkte sind mit dabei besonders wichtig erschienen, die ich mit euch gerne diskutieren möchte. Ich entschuldige mich jetzt schon, wenn der Blogpost etwas unstrukturiert und durcheinander ist (Stichpunkt Gedankensalat). Außerdem spreche ich auf niemanden bestimmten an oder beabsichtige jemanden zu verärgern. Und jetzt genug gerechtfertigt – Los geht’s!

Die Geste des Schenkens

Wie oft habt ihr eigentlich schon den Spruch „Es geht nicht ums Geschenk sondern um die Geste“ oder ähnliches gelesen? Natürlich steckt dahinter viel Wahres. Selbstverständlich ist der Moment, in dem dir egal welches Geschenk überreicht wird unglaublich toll, außerdem erfüllt die Freude des anderen den Schenkenden.

Doch ich muss sagen, in diesem „die Geste des Schenkens ist alles was zählt“ habe ich manchmal das Gefühl, dass vergessen wird was für den Beschenkten im Endeffekt zählt: das Geschenk. Ich bin der Meinung, es ist einfach so. Die Geste kann noch so toll und der Moment noch so bezaubernd sein – ein unpassendes und ungewolltes Geschenk wird all dies spätestens nach dem Auspacken in den Schatten stellen. Denn niemand wird glücklich über einen kratzigen Pullover sein, mag er noch mit so viel Liebe gemacht worden sein.

Um ungeliebte Sachen zu vermeiden, die im Endeffekt auch eine Verschwendung von Ressourcen bedeuten (sowohl zeitlich auch als finanziell), versuche ich immer herauszufinden, was sich der- oder diejenige tatsächlich wünschen würde und brauchen kann. Wenn man das schon einige Wochen im Voraus macht, kann man sich dann auch für die ein oder andere selbstgemachte Sache entscheiden.

Handmade in Germany > Handmade by Me?

Wer generell viel näht, häkelt, strickt oder bastelt kommt zwangsweise nicht um blöde Kommentare herum. Auch wenn du nicht jeden davon überzeugen kannst, dass Selbermachen einfach unglaublich erfüllend sein kann, gibt es eine Sache, die mir in letzter Zeit aufgefallen ist und mich seitdem beschäftigt.

Nehmen wir folgende Situation: es gibt zwei Uhren im Angebot – die eine ist Massenware, die andere „Handmade in Germany“. Welche davon wird als das wertvollere und hochwertigere Gut angesehen? Richtig, die mit dem „Handmade in Germany“-Siegel.

Spielt man die gleiche Situation mit einem Schal oder Kleidungsstück von der Stange und einem selbstgemachten Stück, werden sich die Geister bestimmt scheiden. Die einen finden es echt cool, wenn du Sachen selbermachst, die anderen halten sich für einen alternativen Hippie und noch andere werden die ungefragt auf jeden einzelnen Fehler, den das Teil haben sollte hinweisen. Das alles nur, weil sie plötzlich das Kleidungsstück oder Geschenk tatsächlich mit einer realen Person in Verbindung bringen (denn denen, die bei H&M und Co. produzieren werden sie schließlich nie begegnen).

Ich weiß, der Vergleich mag weit hergeholt zu sein. Schließlich ist es nicht ganz fair, Luxusgüter, die von sehr erfahrenen und begabten Handwerkern hergestellt werden mit oftmals laienhaft hergestellten Geschenken zu vergleichen. Aber ich finde doch, dass Selbstgemachtes oft zu wenig geschätzt wird. Ich glaube vielen ist nicht bewusst, wie viel Zeit hinter einem Geschenk stecken kann und wie schwierig manche Sachen sind, selbst wenn sie noch so leicht scheinen.

Auch hier versuche ich aber noch einmal die Brücke zum Thema selbstgemachtes verschenken zu schlagen: nicht jeder will Sachen mit Charakter (also kleinen Fehlerchen) geschenkt bekommen. Oftmals entstehen dann Gedanken wie „Bin ich ein gekauftes Geschenk nicht wert?“ oder ähnliches auf.

Ich glaube, es ist in Ordnung, wenn man kein selbstgemachtes Geschenk will, wenn es Fehler hat. Denn auch ich stelle an mich selbst den Anspruch, nur die besten Sachen zu verschenken. Und falls das erste Exemplar nicht klappt, dann nähe ich halt ein neues, weil ich es selber auch nicht geschenkt haben würde. Ich rede natürlich nicht von minimalen Makeln, denn für die haben die meisten Leute doch im Großen und Ganzen Verständnis, aber viele mögen es einfach nicht, wenn eine Sache schon von weitem selbstgemacht schreit.

Und wenn jemand doch was Blödes sagt?

Glücklicherweise bin ich is jetzt von unnetten Kommentaren zu einem selbstgemachten Geschenk verschont worden. Allerdings haben mehrere Frauen ihre negativen Erfahrungen mit mir auf Instagram geteilt. Machmal muss nichtmal direkt etwas gesagt werden, um zu verdeutlichen, dass dieses Geschenk unerwünscht war.

Aber alle Betroffene haben den gleichen Schluss aus solch einer Reaktion gezogen: die- oder derjenige wird in Zukunft nichts selbstgemachtes mehr bekommen. Ganz einfach.

Nicht jeder ist deine wertvolle Zeit wert und nicht jeder möchte deine Zeit in Anspruch nehmen. Also falls du in Zukunft Zweifel hast ob die Person ein selbstgemachtes Geschenk haben möchte, frag einfach nach. Nimm es nicht persönlich, falls jemand etwas anderes bevorzugt.

Schreibt mir eure Geschichten!

So, jetzt seid ihr nochmal dran. Kommentiert mir doch eure Erfahrungen mit dem Verschenken von selbstgemachten Geschenken. Ich würde mich sehr freuen!

Ein Gedanke zu “Selfmade mit Love? Nein danke! – oder: wieso nicht jeder deine Zeit wert ist”

  1. Ui ui ui, bin ich ein gekauftes Geschenk nicht wert? Um Gottes Willen, was ist das denn für eine Haltung? Nur Geld zählt. Also ich bin entsetzt. Ich nähe und bastle Vieles selbst. Allerdings achte ich sehr auf sorgfältige Ausführung. Niemals würde ich etwas Selbstgenähtes anziehen, das schon von Weitem nach selbstgemacht schreit. Das braucht Zeit. ich lasse mir Zeit, sonst kann schon etwas Stümperhaftes dabei herausskommen. Öfters trenne ich auf und nähe es wieder, das braucht Zeit. Möglicherweise liegt es daran, dass etwas ,,zusammengedroschen“ wird. Nun, das ist ja auch ein Ausdruck der Wertschätzung. Was mute ich meinen Lieben zu? Wieviel Zeit bin ich bereit zu investieren? Manchmal sehe ich Kleidungsstücke auf Blogs vorgestellt, wo ich mir denke um Gottes Willen, doch nicht so. Na ja, (gut?) gemeint, ist nicht immer gut. Andererseits nähe und gestalte ich halt auch Unikate und die drücken meine Persönlichkeit aus. Man schenkt sich schon auch selbst durch ein Geschenk. Einen leiben Gruß!

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